Ein
weiteres wichtiges Thema der Piratenpartei ist der ÖPNV. Hierbei
geht es uns nicht nur darum diesen zu verbessern, um die Mobilität
der Bürger zu erhöhen, sondern auch diesen mittelfristig
fahrscheinlos zu machen bzw. auf eine Umlagefinanzierung umzustellen.
Dies ist auch für mich ein notwendiges Thema, das ich in der
öffentlichen Diskussion voranbringen will. Deutlich zu sagen ist, dass wir nicht von "kostenlos" sprechen!
Beim fahrscheinlosen ÖPNV ist der Name Programm, d.h. jeder kann die
öffentlichen Verkehrsmittel des örtlichen Personennahverkehrs
nutzen ohne sich je wieder ein Ticket kaufen zu müssen. Dies wird
mittlerweile in einige Städten bereits seit vielen Jahren mit Erfolg
praktiziert, wie z.B. im belgischen Hasselt seit 1997. Dadurch konnten
die Fahrgastzahlen um ein mehrfaches erhöht werden. Eine stärkere
Nutzung des ÖPNV und ein dadurch verringerter motorisierter
Individualverkehr hat mehrere positive Folgen für die öko-soziale
Stadtentwicklung.
Der
ökologische Profit durch den Rückgang von Schadstoffbelastungen und
Treibhausemissionen dürfte unbestritten und von allen Parteien bzw.
Bürgern gewünscht sein. Sowohl ökologisch, wie auch wirtschaftlich
ist ein positiver Effekt ist, dass weniger Straßenschäden
entstehen. Daneben gibt es einige soziale Gründe, die flankierend
einen fahrscheinlosen ÖPNV sinnvoll machen. Zuerst wäre zu nennen,
dass die Lebensqualität der Bürger im Innenstadtbereich durch
weniger Autos, weniger Abgase und weniger Lärmbelastung zunehmen
würde. Außerdem werden die Innenstädte aus gleichen Gründen als
Einkaufs- und Flaniermeilen deutlich attraktiver, wovon die die Geschäftsleute und somit auch wieder die Stadt selber profitiert. Und die
Verweildauer in den Straßencafés würde zunehmen, da ein Besuch natürlich
mehr Spaß macht, wenn nicht ständig Autos vorbeifahren
(wünschenswert wären in dieser Hinsicht auch autofreie Stadtplätze).
Ein weiterer sozialer Aspekt wäre die finanzielle Entlastung von
Familien und Menschen, die wenig Geld zu Verfügung haben. Diese
hätten durch ein fahrscheinloses System mehr Chancen auf soziale
Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, was durch die
erhöhte Mobilitätsmöglichkeit begründet ist. Außerdem würden
viele Jugendliche und sozial benachteiligte Menschen nicht mehr durch
das Schwarzfahren kriminalisiert. Das ist zum einen durch die Kosten allgemein bzw. die entstehenden Folgekosten (z.B. durch den bürokratischen Aufwand der
Ermittlung und Verfolgung, durch die Wartung der Fahrkartenautomaten,
Gehälter für Kontrolleure, etc.), zum anderem durch ausbleibende
positive Effekte legitim und wünschenswert. Sogar Autofahrer würden
von einem allgemeinen Rückgang des Individualverkehrs profitieren.
Sie hätten freiere Fahrt und bessere bzw. mehr Parkmöglichkeiten.
Die touristischen Effekte durch eine fahrscheinlose und
unkomplizierte Nutzung des ÖPNV wären auch nicht zu vergessen!
Zu
den beiden Hauptkritikpunkten, die auch relativ leicht zu entkräften
sind:
Wer
soll das bezahlen bzw. warum sollen alle, auch die, die den ÖPNV gar
nicht nutzen, eine Umlage zahlen und wie kann das funktionieren?
Vorne weg, es zahlt bereits jetzt schon JEDER BÜRGER über die
Subventionen der öffentlichen Hand an die Betreiber des ÖPNV eine
Abgabe, die man auch monatlich runter rechnen kann. D.h. momentan
zahle ich eine Umlage UND die Preise für die Fahrscheine. In
Regensburg z.B., das haben die Regensburger Piraten ermittelt, musste
die Stadt und der Landkreis Regensburg den ÖPNV aktuell mit ca. 14
Millionen Euro subventionieren, aus Steuermitteln, da sich die Einnahmen aus den
Fahrscheinverkäufen nur auf ca. 36 Millionen beliefen, die
Betriebsausgaben aber gute 50 Millionen umfassten. Ein fundierte
Berechnung der Regensburger Kollegen, unter anderem basierend auf den Einwohnerzahlen, ergab folgende Ergebnisse: diese 50 Millionen bzw. sogar gute 55
Millionen könnte man genauso, und ohne Fahrschein, erzielen, wenn
jeder Übernachtungsgast 2 Euro mehr zahlen müsste, jeder
Schüler/Student 10,50 Euro und jeder Erwachsene 15,05 Euro monatlich
zahlen würde. Kinder unter sechs Jahren wären frei. D.h. die Umlage
die jeder Bürger monatlich zahlen muss, würde sich zwar etwas
erhöhen, dafür könnte man aber ganzjährig im gesamten ÖPNV Netz
ohne Fahrschein einfach und unbürokratisch Bus fahren. Um die eigene
Umlage auszunutzen, steigt der Anreiz auf öffentliche Verkehrsmittel
mehr zuzugreifen, was aus oben beschriebenen Gründen ausdrücklich
wünschenswert ist!
Eine
analoge Berechnung für die Stadt und den Landkreis Straubing planen
die Straubinger Piraten für Anfang 2013, um auch hier die Zahlen
offen zulegen und dadurch im ersten Schritt das Thema fahrscheinloser
ÖPNV in die öffentliche kommunale Diskussion zu bringen.
Einziehen
könnte man diese Umlage z.B. durch die Grundsteuer B, wie ein Modell der Berliner Piraten bzw. dessen Beauftragten hierfür, Michael
Melter, aufzeigt. Die Grundlage wäre konstant und gut kalkulierbar,
da sich Einwohnerzahlen, wenn, nur langsam ändern. Außerdem
wäre dies sozial gerecht, da es jeden Bürger trifft. Der
Vermieter kann die Grundsteuer B für seine Objekte auf die Vermieter
umlegen, er selber wohnt aber auch irgendwo und muss diese somit auch
zahlen. Finanziell schwache Menschen wären hiervon ausgenommen, da
die Grundsteuer B über die Nebenkosten abgerechnet wird, und diese
hier in der Regel der Staat trägt. Außerdem richtet sich die
Grundsteuer B nach Größe und Lage der Wohnung bzw. des Hauses, also zahlt der mehr, der besser und größer wohnt. Daher sehe auch ich dieses Modell als gute Grundlage an. Ergänzend gibt es aber weitere Mittel der Finanzierung, z.B. die Erhöhung der Werbeeinnahmen und Ähnliches.
Abschließend
die Kritik der Autofahrer bzw. die, der Nicht-ÖPNV-Nutzer, warum auch sie die Umlage zahlen sollten? Ganz einfach, weil die
öffentlichen Verkehrswege auch solidarfinanziert sind, d.h. durch
Steuermittel von jedem Bürger bezahlt. Auch von denen, die als "Fußgänger" die Straßen weniger benutzen oder die als "Stadt- bzw. Wenigfahrer"
kaum bis nie auf Autobahnen unterwegs sind. Also ist es nur gerecht und
konsequent, wenn auch die öffentlichen Verkehrsmittel
gemeinschaftlich finanziert sind!
Daher
werde ich im Rahmen meines Landtagswahlkampfes respektive allgemein das
Thema fahrscheinloser bzw. umlagefinanzierter ÖPNV, wo es geht, in die
öffentliche Diskussion bringen. Außerdem ist durch die Schaffung
der rechtlichen Grundlage hierfür, allen Kommunen zu ermöglichen
Modellprojekte zu starten, um dadurch die öko-soziale
Stadtentwicklung ein Stück weit zu verbessern! Nicht umsonst fordern
wir Piraten einen fahrscheinlosen ÖPNV auszuprobieren und ihm eine
Chance zu geben, vom Bürger angenommen und geschätzt zu werden!
Klarmachen zum Ändern!
An sich finde ich die Vision eines freien öffentlichen Verkehrs ja sehr schön. Wären die entsprechenden Anbindungen gut ausgebaut (was sie ja imho nur für Ballungsraumbewohner sind) könnte man sich auf die Weise tatsächlich viel Autofahrerei sparen. Nicht einverstanden bin ich allerdings mit der aufgemachten Rechnung. In dem genannten Beispiel zahlt eine Familie mit 2 Kindern 50€ im Monat sofern sie Steuern zahlt. Wer keine Steuern zahlt wir so deutlich besser gestellt. Aber sei es drum... gar nicht Nachvollziehbar finde ich das Fußgänger Argument. Wer kein Auto fährt zahlt weder KFZ Steuer noch Mineralölsteuer. Der Autofahrer subventioniert doch eher jetzt schon zusätzlich andere Bereiche statt das er von der Allgemeinheit profitiert.
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