Der Kindergarten ist der Einstieg in den Bereich der frühkindlichen Bildung bzw. in unser Bildungssystem allgemein. Durch den Kindergartenbesuch werden diverse Voraussetzungen für die Persönlichkeitsentwicklung und somit für den zukünftigen Lebensweg der Kinder geschaffen. Es wird auf spielerische Weise Wissen und lebenspraktische Fähigkeiten vermittelt. Außerdem ist der Kindergarten als ein Ort sozialer Integration zu verstehen, an dem soziale Kompetenzen erworben werden. Deshalb sollte der Zugang hierzu frei und ohne finanzielle Hürden sein. Wir wollen den Eltern eine wirklich freie Wahl ermöglichen und außerdem soziale Ungleichheit abbauen. Daher fordert die Piranpartei Bayern die Abschaffung der Kidergartengebühren. Wir setzen uns auf den verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Ebenen dafür ein, dass der Kindergartenbesuch in Bayern ab dem ersten Kind und von Beginn an für die Eltern kostenlos ist. Jeder Kindergarten soll, unabhängig von seiner Trägerschaft, einen Festzuschuss pro Kind erhalten. Somit können eine angemessene Betreuungsqualität und dadurch optimale Entwicklungsbedingungen sichergestellt werden. Darüber hinaus setzt sich die Piratenpartei Bayern dafür ein, dass der Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen des Bayerischen Landtages zügig Finanzierungsmöglichkeiten einer Gebührenfreiheit erarbeitet.
Antragsbegründung:
Ausgangspunkt meiner Forderung ist das Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland, in dem sich gegen Bildungsgebühren jeglicher Art ausgesprochen wird. D.h. es muss konsequenterweise in den jeweiligen Landeswahl- bzw. Grundsatzprogrammen gefordert werden. Das ist auch richtig, denn Bildungsgebühren sind generell abzulehnen, da diese den freien Zugang zu Bildung einschränken und die spätere Lebensperspektive der Menschen von den finanziellen Bedingungen der Familie abhängig machen. Deshalb ist es Aufgabe des Staates zu allen Bildungseinrichtungen einen kostenfreien Zugang bereitzustellen. Diese Forderung entspricht auch dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei. Deshalb sind auch Kindergartengebühren abzuschaffen, da je nachdem wie reich die Kommune ist, die Gebühren unterschiedlich hoch ausfallen. Diese Verknüpfung von Wohnort und Höhe der Kindergartengebühr ist für die Eltern sozial ungerecht und nicht tragbar. Deshalb ist es nötig die Gebühren per se abzuschaffen, da sie den freien Zugang zu frühkindlicher Bildung einschränken. Für unsere Gesellschaft ist es wichtig einer unserer Kern-Ressourcen überhaupt, nämlich der Bildung, die sowohl die gesellschaftliche als auch die wirtschaftliche Entwicklung positiv bzw. negativ stark beeinflusst, den ihr entsprechenden Stellenwert einzuräumen. Neben der Bildung ist die soziale Komponente des Kindergartenbesuchs nicht zu vernachlässigen. Der Kindergarten stellt einen Ort der sozialen Integration dar, der z.B. dazu dient die sozialen Kompetenzen der Kinder weiter auszubauen. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung ist ein freier Zugang. Es soll natürlich jede Familie bzw. jeder Erziehungsberechtige frei entscheiden, ob ihr bzw. sein Kind einen Kindergarten besuchen soll oder nicht. Aber weder die soziale Herkunft noch die finanzielle Ausstattung der Familie darf eine Hürde darstellen, die einen Kindergartenbesuch verhindert. Auch wenn bei bedürftigen Eltern die Gebühren bereits heute übernommen werden, kann es sein bzw. ist es in bestimmten Fällen auch so, dass Familien, die über der Bedürftigkeitsgrenze, manchmal auch nur sehr knapp liegen, der Anreiz für einen Besuch ihres Kindes durch eine Gebühr genommen wird. Dies ist nicht wünschenswert. Außerdem würde das Geld, das sich die Eltern bei den Gebühren sparen, anderweitig wieder anteilig in den Staatshaushalt zurückfließen. Abschließend bin ich der Meinung, dass es eine Hauptaufgabe unseres Staates ist, nicht nur den Straßenbau und Anderes zu finanzieren, sondern auch die freie Bildung, als Grundstock einer selbstbestimmten Gesellschaft, bereitzustellenBeispielrechnung: Die Finanzierung würde den Haushalt ca. 350 Millionen kosten. Stand 01.03.2011 bei einer durchschnittlichen Gebühr von 100 Euro und 293 154 Kindern zwischen 3 und 6 Jahren( https://www.statistik.bayern.de/statistik/soziales/ ) Dieses Geld wäre m.E. vorhanden. Besser gesagt, aufgrund der Wichtigkeit der frühkindlichen Bildung und dem individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Nutzen des Kindergartenbesuches sollte dieses Geld bereitgestellt werden. D.h., ich denke, dass ein sinnvolles und gut durchdachtes Maßnahmenpaket ausreichende Einsparungen einbringen kann, um diese Forderung gegenzufinanzieren. Die jährlichen Ausgaben des Freistaates Bayern, die durchschnittlich 40 Milliarden Euro umfassen, sollten den Spielraum für die nötigen ca. 350 Millionen hergeben. Die genaue Kalkulation kann, wie bereits im Antrag erläutert, der Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen übernehmen, da hier die Experten sitzen, die den besten Einblick in die Staatsfinanzen haben.Aufgabe eines Wahlprogrammes ist es, den Wähler zu informieren wofür man einsteht und welche gesellschaftlichen Änderungen man anstrebt. Das tut diese Forderung im Bereich der frühkindlichen Bildung. Sich für die Klärung der Finanzierung einzusetzen ist dann Aufgabe der piratigen Parlamentarier, wenn wir in den Landtag kommen. Deshalb ist die Forderung m.E. auch nicht populistisch und wir sollten das grundsätzlich fordern, auch wenn nicht alles geklärt ist, denn nur so entwickeln wir uns weiter.
Hier der Link zum offiziellen Antrag, den allebayerischen Piraten auf dem Landesparteitag in Unterhaching am 11./12.1.13 unterstützen können:
https://wiki.piratenpartei.de/BY:Landesparteitag_2013.1/Antragsfabrik/Sonstiger_Antrag_009
Politischer und gesellschaftlicher Blog mit persönlichen und politischen Ansichten über die aktuelle Politik und zu anderen Irrungen und Wirrungen des Lebens. Ironische, bissige oder sonstige Zwischentöne nicht ausgeschlossen!
Donnerstag, 27. Dezember 2012
Sonntag, 16. Dezember 2012
ÖPNV - fahrscheinlos ist nicht sinnlos!
Ein
weiteres wichtiges Thema der Piratenpartei ist der ÖPNV. Hierbei
geht es uns nicht nur darum diesen zu verbessern, um die Mobilität
der Bürger zu erhöhen, sondern auch diesen mittelfristig
fahrscheinlos zu machen bzw. auf eine Umlagefinanzierung umzustellen.
Dies ist auch für mich ein notwendiges Thema, das ich in der
öffentlichen Diskussion voranbringen will. Deutlich zu sagen ist, dass wir nicht von "kostenlos" sprechen!
Beim fahrscheinlosen ÖPNV ist der Name Programm, d.h. jeder kann die
öffentlichen Verkehrsmittel des örtlichen Personennahverkehrs
nutzen ohne sich je wieder ein Ticket kaufen zu müssen. Dies wird
mittlerweile in einige Städten bereits seit vielen Jahren mit Erfolg
praktiziert, wie z.B. im belgischen Hasselt seit 1997. Dadurch konnten
die Fahrgastzahlen um ein mehrfaches erhöht werden. Eine stärkere
Nutzung des ÖPNV und ein dadurch verringerter motorisierter
Individualverkehr hat mehrere positive Folgen für die öko-soziale
Stadtentwicklung.
Der
ökologische Profit durch den Rückgang von Schadstoffbelastungen und
Treibhausemissionen dürfte unbestritten und von allen Parteien bzw.
Bürgern gewünscht sein. Sowohl ökologisch, wie auch wirtschaftlich
ist ein positiver Effekt ist, dass weniger Straßenschäden
entstehen. Daneben gibt es einige soziale Gründe, die flankierend
einen fahrscheinlosen ÖPNV sinnvoll machen. Zuerst wäre zu nennen,
dass die Lebensqualität der Bürger im Innenstadtbereich durch
weniger Autos, weniger Abgase und weniger Lärmbelastung zunehmen
würde. Außerdem werden die Innenstädte aus gleichen Gründen als
Einkaufs- und Flaniermeilen deutlich attraktiver, wovon die die Geschäftsleute und somit auch wieder die Stadt selber profitiert. Und die
Verweildauer in den Straßencafés würde zunehmen, da ein Besuch natürlich
mehr Spaß macht, wenn nicht ständig Autos vorbeifahren
(wünschenswert wären in dieser Hinsicht auch autofreie Stadtplätze).
Ein weiterer sozialer Aspekt wäre die finanzielle Entlastung von
Familien und Menschen, die wenig Geld zu Verfügung haben. Diese
hätten durch ein fahrscheinloses System mehr Chancen auf soziale
Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, was durch die
erhöhte Mobilitätsmöglichkeit begründet ist. Außerdem würden
viele Jugendliche und sozial benachteiligte Menschen nicht mehr durch
das Schwarzfahren kriminalisiert. Das ist zum einen durch die Kosten allgemein bzw. die entstehenden Folgekosten (z.B. durch den bürokratischen Aufwand der
Ermittlung und Verfolgung, durch die Wartung der Fahrkartenautomaten,
Gehälter für Kontrolleure, etc.), zum anderem durch ausbleibende
positive Effekte legitim und wünschenswert. Sogar Autofahrer würden
von einem allgemeinen Rückgang des Individualverkehrs profitieren.
Sie hätten freiere Fahrt und bessere bzw. mehr Parkmöglichkeiten.
Die touristischen Effekte durch eine fahrscheinlose und
unkomplizierte Nutzung des ÖPNV wären auch nicht zu vergessen!
Zu
den beiden Hauptkritikpunkten, die auch relativ leicht zu entkräften
sind:
Wer
soll das bezahlen bzw. warum sollen alle, auch die, die den ÖPNV gar
nicht nutzen, eine Umlage zahlen und wie kann das funktionieren?
Vorne weg, es zahlt bereits jetzt schon JEDER BÜRGER über die
Subventionen der öffentlichen Hand an die Betreiber des ÖPNV eine
Abgabe, die man auch monatlich runter rechnen kann. D.h. momentan
zahle ich eine Umlage UND die Preise für die Fahrscheine. In
Regensburg z.B., das haben die Regensburger Piraten ermittelt, musste
die Stadt und der Landkreis Regensburg den ÖPNV aktuell mit ca. 14
Millionen Euro subventionieren, aus Steuermitteln, da sich die Einnahmen aus den
Fahrscheinverkäufen nur auf ca. 36 Millionen beliefen, die
Betriebsausgaben aber gute 50 Millionen umfassten. Ein fundierte
Berechnung der Regensburger Kollegen, unter anderem basierend auf den Einwohnerzahlen, ergab folgende Ergebnisse: diese 50 Millionen bzw. sogar gute 55
Millionen könnte man genauso, und ohne Fahrschein, erzielen, wenn
jeder Übernachtungsgast 2 Euro mehr zahlen müsste, jeder
Schüler/Student 10,50 Euro und jeder Erwachsene 15,05 Euro monatlich
zahlen würde. Kinder unter sechs Jahren wären frei. D.h. die Umlage
die jeder Bürger monatlich zahlen muss, würde sich zwar etwas
erhöhen, dafür könnte man aber ganzjährig im gesamten ÖPNV Netz
ohne Fahrschein einfach und unbürokratisch Bus fahren. Um die eigene
Umlage auszunutzen, steigt der Anreiz auf öffentliche Verkehrsmittel
mehr zuzugreifen, was aus oben beschriebenen Gründen ausdrücklich
wünschenswert ist!
Eine
analoge Berechnung für die Stadt und den Landkreis Straubing planen
die Straubinger Piraten für Anfang 2013, um auch hier die Zahlen
offen zulegen und dadurch im ersten Schritt das Thema fahrscheinloser
ÖPNV in die öffentliche kommunale Diskussion zu bringen.
Einziehen
könnte man diese Umlage z.B. durch die Grundsteuer B, wie ein Modell der Berliner Piraten bzw. dessen Beauftragten hierfür, Michael
Melter, aufzeigt. Die Grundlage wäre konstant und gut kalkulierbar,
da sich Einwohnerzahlen, wenn, nur langsam ändern. Außerdem
wäre dies sozial gerecht, da es jeden Bürger trifft. Der
Vermieter kann die Grundsteuer B für seine Objekte auf die Vermieter
umlegen, er selber wohnt aber auch irgendwo und muss diese somit auch
zahlen. Finanziell schwache Menschen wären hiervon ausgenommen, da
die Grundsteuer B über die Nebenkosten abgerechnet wird, und diese
hier in der Regel der Staat trägt. Außerdem richtet sich die
Grundsteuer B nach Größe und Lage der Wohnung bzw. des Hauses, also zahlt der mehr, der besser und größer wohnt. Daher sehe auch ich dieses Modell als gute Grundlage an. Ergänzend gibt es aber weitere Mittel der Finanzierung, z.B. die Erhöhung der Werbeeinnahmen und Ähnliches.
Abschließend
die Kritik der Autofahrer bzw. die, der Nicht-ÖPNV-Nutzer, warum auch sie die Umlage zahlen sollten? Ganz einfach, weil die
öffentlichen Verkehrswege auch solidarfinanziert sind, d.h. durch
Steuermittel von jedem Bürger bezahlt. Auch von denen, die als "Fußgänger" die Straßen weniger benutzen oder die als "Stadt- bzw. Wenigfahrer"
kaum bis nie auf Autobahnen unterwegs sind. Also ist es nur gerecht und
konsequent, wenn auch die öffentlichen Verkehrsmittel
gemeinschaftlich finanziert sind!
Daher
werde ich im Rahmen meines Landtagswahlkampfes respektive allgemein das
Thema fahrscheinloser bzw. umlagefinanzierter ÖPNV, wo es geht, in die
öffentliche Diskussion bringen. Außerdem ist durch die Schaffung
der rechtlichen Grundlage hierfür, allen Kommunen zu ermöglichen
Modellprojekte zu starten, um dadurch die öko-soziale
Stadtentwicklung ein Stück weit zu verbessern! Nicht umsonst fordern
wir Piraten einen fahrscheinlosen ÖPNV auszuprobieren und ihm eine
Chance zu geben, vom Bürger angenommen und geschätzt zu werden!
Klarmachen zum Ändern!
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