Samstag, 25. Juli 2015

Warum ich wieder Pirat werde.....und warum mir blöde Kommentare wurscht sind

Es ist einige Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen. Ich war aus privaten Gründen politisch seit einigen Monaten nicht mehr sehr aktiv. In dieser Zeit dachte ich auch nach, warum ich mich politisch engagieren will und ob der jetzige Ort bzw. Die Linke, nach meiner Grundeinstellung und meinem Selbstverständnis, wirklich der Richtige ist.

Ich kam zu der Antwort "Nein". Die meisten Themen der Linken sind weiter auch meine Themen, v.A. die Sozial-, Bildungs- und Bürgerrechtspolitik, sowie mehr Transparenz in der Politik und verbesserte Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung im Sinne einer direkteren Demokratie. Jetzt kommt das große Aber! Ich merkte in der inaktiven Zeit, dass mir das Engagement bei den Linken nicht abgeht. Und ich merkte noch etwas. Ich fühlte mich bei den Linken politisch nicht wirklich aufgehoben. Es ist mehr ein Bauchgefühl, aber genau dieses sagt mir, dass ich dort nicht meine politische Heimat gefunden haben. Außerdem stellte ich fest, dass meine Grundhaltung wie ich mir Politik wünsche und wie sie sein sollte, weiter doch sehr nah an dem ist, wie das die Piratenpartei so vertritt. 

Doch kann die Piratenpartei meine alte und neue politische Heimat werden, nachdem ich doch vor einem dreiviertel Jahr enttäuscht gegangen bin, da ich für die Piraten keine Zukunft mehr sah?!? Die Antwort fiel mir von meinem Gefühl her überraschend einfach: JA, sie kann. Aber dazu brauchte ich den Blick von außen. Wenn ich inaktives Mitglied geblieben wäre, hätte ich diesen meinen neuen Blick auf die Politik und die Piraten nicht gewinnen können. Daher war diese Auszeit für mich persönlich wichtig, auch um zu sehen, das eben Die Linke vom Gefühl her für mich keine politische Heimat bedeutet, wozu ich wiederum den Innenblick benötigte.

Die Gründe für ein Comeback sind etwas vielfältiger. Auf die zwei wichtigsten möchte ich hier eingehen. Ich will keine Romane schreiben, ich will einfach dem interessierten Leser kurz und prägnant mitteilen, warum ich politisch wieder die Piratenpartei unterstützen werde und möchte. 

1) Viele der Störenfriede, Krawallbrüder, weltfremden Träumer, Spaßvögel, etc. haben die Partei verlassen. Leider auch viele gute Leute, aber es sind aus meiner Sicht genügend geblieben und es wird in verschiedenen innerparteilichen Gremien und Kommunal- und Landesparlamenten zum Teil echt geile Arbeit gemacht. Dies passiert leider nicht mehr so im Licht der Öffentlichkeit, aber es passiert trotzdem was in der Piratenpartei. Und das was passiert, passiert seit einiger Zeit professioneller und strukturierter als bei meinem Austritt. Dies war damals ein wichtiger Grund, der nun nicht mehr so gegeben ist. Ich verfolgte die Piratenpartei trotzdem weiterhin und stellte genau diese neue Professionalität und das weitere aktive Arbeiten in der Parlamenten fest. Das gibt mir neben den inhaltlichen Übereinstimmungen wieder Hoffnung, dass die Piraten politisch wirken können. Damit komme ich auch zum zweiten Grund, der sich nahtlos anschließt.

2) Ich wollte in einer Partei aktiv sein, die auch im Großen, z.B. im Bundestag, die Möglichkeit hat politisch zu gestalten und sich einzubringen. Das war bei den Piraten nicht möglich und wird vielleicht auch mittelfristig nicht möglich sein. Ob die Piraten in der öffentlichen politischen Wahrnehmung nochmal so wie zuvor zurückkommen weiß ich nicht. Aber meine Einstellung hierzu hat sich geändert. Es gibt viele wichtige und gute Themen, die die Piraten vertreten, das war nie mein Problem. Und wenn Piraten Aktionen und Projekte machen, ist das gut und es ist auch unerlässlich im Kleinen Themen und Inhalte zu besetzen, die einem wichtig sind, auch fernab der "großen Politik". Und genau dieser veränderter Standpunkt, motiviert mich wieder für Piraten aktiv zu werden, denn im Kleinen kann man m.E. durchaus gut für die Piratenpartei aktiv sein, sei es kommunal oder auf Bezirks- oder Landesebene. Auch muss nicht jede Aktion, die gut ist, in den Medien breitgetreten werden, trotzdem ist es gut, dass es sie gibt. Ergänzend für meine neue Motivation kommt hinzu, dass zwar digitale Themen nach wie vor nicht meine Kernthemen sind, sondern eher soziale Themen und Transparenz der Politik und Bürgerbeteiligung. Aber diese haben in der Piratenpartei auch Platz, was klar im Grundsatzprogramm geregelt ist. ABER, die Piratenpartei als gesamtes Projekt, wie sie Politik sieht und haben will, ist für mich dementsprechend wichtig, da ich das genauso sehe und gut finde, dass ich damit Leben kann, dass Sozialpolitik dort nicht das Top-Thema ist. Dies geht, da es auch in diesem Politikfeld auf unteren politischen Ebenen sehr wohl piratige Aktionen etc. stattfinden, bei denen man sich mit seinen Interessen einbringen kann.

Zusammenfassend kann man sagen, die personellen Querelen sind vorbei, es wurden neue Strukturen aufgebaut und es wird professioneller gearbeitet, was z.B. auch der aktuelle BPT in Würzburg zeigt, und es wird inhaltlich und politisch gearbeitet, wenn auch manchmal ungesehen und im Kleinen, aber es gibt sehr wohl Erfolge piratiger Politik und man sieht diese auch, wenn man nur etwas genauer hinschaut.

....aber das Wichtigste ist, mein Herz und mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Piratenpartei eine politische Zukunft hat, vielleicht nicht als "Volkspartei", was ich mir früher wünschte, aber vielleicht als trotzdem wichtige und nötige Bewegung im politischen Spektrum, die den etablierten Parteien auch weiterhin den Spiegel vorhält, dass einiges im Argen liegt, was definitiv in der Politik der Jetzt-Zeit so ist.

Ich komme gerne zurück und bin bereit erneut zu rufen: Klarmachen zum Ändern! Und nicht im Höhenflug zurückzukehren, sondern, wenn alle weiterhin meinen, es sei vorbei mit Piraten, macht mich kämpferisch.

....last but not least, ich bin gern für inhaltliche Diskussionen zu haben, blöde Kommentare werde ich aber sicher ignorieren, da mir meine Zeit dafür zu schade ist. Ich mach das jetzt, weil ICH das für richtig halte und mich wieder bei den Piraten engagieren will, was andere denken ist mir in erster Linie erst mal wurscht....und die, die mich wirklich kennen, werden sich mit blöden Sprüchen eh zurückhalten. 

1 Kommentar:

  1. Vielleicht war auch einfach mal eine Pause wichtig, ganz unabhängig von Strukturproblemen und dern Prioritäten in der Außendarstellung. Bei uns im Kreis Groß-Gerau haben wir erstmalig eine Kreistagswahl-Liste aufgestellt und hoffen im März 2016 mit 1-2 Kandidaten einzuziehen, um die ganze Pallette der Themen aus Piratensicht auf regionaler Ebene zu verorten. Eventuell sogar noch ein Kleinstadtparlament, mal sehen :-)

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