Aktuell
ist ja in der Bildungspolitik das Thema Sitzenbleiben in der
Diskussion und es haben sich schnell die erwarteten Lager gebildet.
Hier rot-grün, dort bis dato die konservativen Vertreter der
CSU/CDU. Aber darum geht es mir, und ich denke auch den Piraten,
nicht. Wir sprechen uns nicht umsonst oft für den Vorrang von Sach-
und Themen- vor Parteipolitik aus. Wie gut das funktioniert, wenn es um
eine gute Forderung geht, haben die Studiengebühren gezeigt. Ich bin
der Meinung das reflexhafte Herbeißen zu einer anderen Partei gehört
nicht mehr in eine Demokratie 2.0! Wenn Vertreter anderer Parteien
gute Ideen haben, darf man dies auch sagen und diese unterstützen.
Wie
es nicht geht, zeigte leider die grüne Fraktionsvorsitzende im
bayerischen Landtag Frau Bause. Die FDP wollte für ein Ja zum Fallen
der Studiengebühren im Gegenzug Geld für frühkindliche Bildung,
z.B. den kostenlosen Kindergartenbesuch, haben. Dies
bezeichnete sie als "unwürdigen Kuhhandel". Freie Bildung,
die Finanzierung
des Meistertitels und die Gegenfinanzierung über den Staatshaushalt,
durch den Wegfall der Studiengebühren, ist aber alles andere als
das! Es sind gute und wichtige bildungspolitische Positionen, was
übrigens inhaltlich auch die Grünen so sehen! Daher ist dieser
"Handel" aufgrund des guten Inhalts politisch legitim und
wünschenswert. Demokratie 2.0!
Aber
nun zum eigentlichen Thema dem Sitzenbleiben. Das Argument "es
hat noch keinem geschadet, dass er eine "Ehrenrunde" drehen
musste" ist so schlecht und windig, dass ich nicht einmal darauf
eingehe! Sitzenbleiben mag in dem aktuellen, aber veralteten
Schulsystem Sinn machen. Aber pädagogisch und sozial sinnvoll ist es
nicht! Daher muss es in einer progressiven und zeitgemäßen
Schulpolitik darum gehen, das gesamte verkrustete System kräftig zu reformieren. Auch wenn das vielen Angst macht, unsere
wichtigste Ressource Bildung und unsere Kinder sollten uns die
Bemühungen wert sein, oder?!
Vieles
Gutes und Richtiges hat bereits Dominik Kegel, Teil des Bezirksvorstandes Mittelfrankens und Landtagskandidat in Roth, auf der Homepage der
bayerischen Piraten hierzu geschrieben:
Für
mich die wichtigsten Argumente, die gegen das Sitzenbleiben sprechen
ist einmal der Leistungsdruck, der beim Wiederholen entsteht. Wenn
man eine Klasse ein zweites Mal macht erwarten die Eltern, die Lehrer
und nicht zuletzt man selbst, dass man deutliche bessere Noten
schreibt. Ist dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht der Fall,
ist es eine Mär, dies sei ein Motivationschub zum mehr anstrengen.
Dies mag bei manchen Schüler so sein. Aber Schulpolitik sollte
ganzheitlich gesehen werden und auf Inklusion statt auf überholte
Anreizsysteme (hier: persönliches Scheitern als Anreiz mehr zu
lernen). Denn nur so können alle Schüler mitgenommen werden. Auch
die, die durch keine Leistungssteigerung beim Wiederholen psychisch
darunter leiden und weiter abfallen. Denn diese Persönlichkeitstypen
gibt es auch. Daher ist das Sitzenbleiben pädagogisch-psychisch
nicht zielführend, denn es kann sehr wohl der schulischen Leistung
schaden.
Das
zweite Hauptargument ist der soziale Aspekt. Man wird aus seiner
Klassengemeinschaft gerissen und muss sich auf neue Schüler, andere
Lehrer und Ähnliches einstellen. Auch das macht vielen vielleicht
nichts aus, anderen schon! Die Zugehörigkeit zu einem
Klassenverbund, die mit all den Jahren wächst, erzeugt ein
Kohärenzgefühl, das eine Säule für gutes und freies lernen im
Unterricht, aber auch allgemein, sein kann. Dies unterschätzen
viele. Aber der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen, genau wie
daher der Schüler. Deshalb ist diese Seite neben dem Lernen, einem
stabilen Umfeld zuhause, soziale Integration in einer Peer-Group,
eine wichtige Basis für schulischen Erfolg. Also, muss das
Sitzenbleiben weichen, um dieses Herausreißen zu verhindern und
keine sozialen Hürden für gute Noten schaffen!
Flankierend
zum Abschaffen des Sitzenbleibens müssen weitere Reformen folgen
bzw. im besten Fall parallel laufen:
-
eine längere gemeinsame Schulzeit von 9 Jahren, weil eine Selektion
nach 4 Jahren zu früh ist. Hier kann man oft noch nicht, auch die Schüler bzw.
Kinder selbst nicht, sagen, in welchen Bereichen die Begabungen und Stärken
liegen. So können wertvolle Ressourcen verloren gehen bzw. sich gar nicht erst ausprägen, was wir uns einfach nicht leisten können. Außerdem können bei einem längerem gemeinsamen Lernen auch
die stärkeren von den schwächeren Schülern lernen, z.B. durch
die...
-...Einführung
eines "Tutoren- bzw. Patensystems". Es ist erwiesen, dass
hiervon nicht nur die Schüler mit weniger guten schulischen
Leistungen profitieren, sondern beide Seiten, also eine
Win-Win-Situation
- weg
von den Lehrplänen, hin zu Lernzielen. Die Ziele müssen natürlich
definiert und allgemeingültig sein. Aber wie diese nach jedem
Schuljahr erreicht werden, sollte jede Schule, am besten in
Kooperation mit den Schülern und Eltern, eigenverantwortlich
entscheiden dürfen.
- das
gibt Raum, vom Frontalunterricht ein Stück wegzukommen und durch die
Einführung eines Kurssystems, das es bereits in anderen Ländern,
die bei PISA und Co. bildungspolitische Spitze sind, gibt.
- In
einem Kurssystem wäre Platz für mehr individuelle Förderung, was
das Sitzenbleiben endgültig überflüssig machen würde. Außerdem
könnten die Schüler, neben den Hauptfächern, die Kurse besuchen,
die sie interessieren und die ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten
entsprechen. Dieses "Stärken stärken" und "Schwächen
schwächen" wäre eine weitere Grundlage für eine hohe
Motivation der Schüler und gute Leistungen.
Zusammenfassend
bleibt zu sagen, dass all diese Forderungen, bis auf die Abschaffung
des Sitzenbleibens, aus guten bzw. oben beschriebenen Gründen
bildungspolitische Piratenforderungen für den Landtagswahlkampf
sind! Das mit dem Sitzenbleiben wird meines Erachtens beim nächsten
Landesparteitag beschlossen, da dies einfach nicht mehr in ein
modernes und flexibles Schulsystem passt, das auf die individuellen
Bedürfnisse, Stärken und Schwächen eingehen muss.
Daher
muss das Sitzenbleiben sitzenbleiben....Klarmachen zum Ändern!
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